Themendienst Nummer 1010 vom 25.08.2001
Themenfeld: Ganztagsschule
Thema: Ganztagsschule
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In fast allen Ländern neue Ganztagsschulen

Eine zwd-Umfrage bei den Länderkultusministerien zu Ausbauplänen

zwd Berlin - Nahezu alle Länder planen einen Ausbau von Ganztagsschulen oder ganztägigen Betreuungsangeboten für Schulkinder. Wie eine zwd-Umfrage unter den Kultus- bzw. Schulministerien der Länder ergab, forcieren vor allem die Länder Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen den Ausbau ganztägiger Schulangebote. Sachsen teilte mit, dass keine Ganztagsschulen geplant seien, da hierfür angesichts des Rechtsanspruchs auf (Schul-)Hort-Betreuung (für Grundschulkinder) kein Bedarf bestehe. In Bayern scheint die Staatsregierung sogar wieder auf dem Rückzug.


Wappen Baden-Württemberg Baden-Württemberg

243 Ganztagsschulen gibt es gegenwärtig in Baden-Württemberg, den größten Anteil macht mit einer Anzahl von 130 die Sonderschulen aus, an zweiter Stelle folgen mit 81 die Hauptschulen. Derzeit werden rund 50 Schulen zu Ganztagsschulen ausgebaut. Für Kultusministerin Annette Schavan (CDU) hat dabei die Erweiterung des Nachmittagsangebots an Hauptschulen in sozialen Brennpunkten Vorrang.

So wird in den nächsten Jahren der Ausbau auf 171 Hauptschulen angestrebt. Laut Kultusministerium umfasst das Gesamtkonzept des Landes Baden- Württemberg zur Betreuung von Schulkindern die Betreuungsangebote im Rahmen der verlässlichen Grundschule, den Hort an der Schule und die Ganztagsschulen. Die Mehrzahl der Schulen bietet die offene Ganztagsschule an. (zwd Baden-Württemberg)

Wappen Bayern Bayern

Unter den 16 Ganztagsschulen, die es gegenwärtig in Bayern gibt, sind nach Auskunft des Bayerischen Kultusministeriums zehn Realschulen, zwei Hauptschulen und vier Gymnasien. Darüber hinaus gibt es Schulen mit Tagesheimen. 75 Prozent der Grundschulen in Bayern haben Betreuungsangebote. Das Bayerische Sozialministerium hat in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium ein Betreuungskonzept erarbeitet, das im Herbst der Öffentlichkeit vorgestellt werden solle.

Am 8. Februar 2001 hatte die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier für ein achtjähriges Ganztagsgymnasium votiert. Das Modell sollte ab dem kommenden Schuljahr zunächst an etwa zehn Gymnasien eingeführt werden und sich an alle Gymnasiasten richten, die ein Jahr früher Abitur machen wollen. Die SchülerInnen sollen künftig wahlweise die achtjährige Ganztagsschule oder das traditionelle neunjährige Halbtags-Gymnasium besuchen können. Ob es dazu kommen wird, ist offen. (Siehe auch zwd-Bericht und "zdw-Interview hierzu.) (zwd Bayern)

Wappen Berlin Berlin

Berlin hat 18 Ganztagsgrundschulen. Alle Grund- und Sonderschulen in den Bezirken im ehemaligen Ostteil der Stadt haben Schulhorte in Form des offenen Ganztagsbetriebes, d.h. die Schulen bieten ein inhaltlich und organisatorisch weitgehend mit dem Schulbetrieb verzahntes Betreuungs- und Bildungsangebot bis 16 Uhr. Außerdem sind 61 der insgesamt 67 öffentlichen Berliner Gesamtschulen als Ganztagsschulen organisiert.

23 Schulen davon führen einen Ganztagsbetrieb in gebundener Form, d.h. der Unterricht findet verteilt über den Vor- und Nachmittag statt. Die anderen 38 Gesamtschulen sind offene Ganztagsschulen. Dort beschränkt sich der Unterricht auf den Vormittag. In Berlin gibt es darüber hinaus 14 staatliche Europaschulen, die ein unterrichtsergänzendes Angebot bis 16 Uhr haben. (zwd Berlin)

Wappen Brandenburg Brandenburg

Gegenwärtig gibt es in Brandenburg 89 Schulen mit Ganztagsangebot, darunter 73 Gesamt-, 13 Förder- und drei Realschulen. Ein flächendeckendes Netz an Ganztagsschulen sei in Brandenburg schon erreicht, erklärte Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) in einer Pressemitteilung des brandenburgischen Bildungsministeriums vom 19. Mai 2001. Diese Schulen, so das Ministerium, würden mit 20-23 Prozent mehr Unterrichtsstunden ausgestattet als Halbtagsschulen. Das Ministerium prüft zurzeit, ob das bestehende Netzwerk an Ganztagsschulen noch stärker nachfrageorientiert ausgebaut werden muss. (zwd Brandenburg)

Wappen Bremen Bremen

In Bremen gibt es zwei Ganztagsschulen, beide sind Gesamtschulen. Drei weitere Ganztagsschulen im Bereich der Sekundarstufe I sind geplant und sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren realisiert werden. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Schulen mit Betreuungsangeboten am Nachmittag. (zwd Bremen)

Wappen Hamburg Hamburg

In Hamburg gibt es zurzeit 38 Ganztagsschulen, sechs davon sind Privatschulen, die sich folgendermaßen auf die Schularten verteilen: zwei Grundschulen, eine Grund- und Hauptschule, eine Realschule, 8 Grund-, Haupt- und Realschulen, sechs Gesamtschulen, zwei Gymnasien und 18 Sonderschulen. In der zu Ende gehenden Legislaturperiode ist jedes Jahr eine Ganztagsschule nach den von Senat und Bürgerschaft beschlossenen "Rahmenbedingungen für die Errichtung von neuen Ganztagsschulen" eingerichtet worden.

Hauptzielvorgabe dieser Rahmenbedingungen ist, dass die Ganztagsschule Leben und Lernen der Schülerinnen und Schüler sinnvoll miteinander verbinden soll. Eine weitere Zielvorgabe ist die Rhythmisierung des ganzen Tages: Unterricht, Förderung, Neigungsangebote und Möglichkeiten der individuellen Freizeitgestaltung sollen sich je nach den Bedürfnissen des Tages und der Klasse flexibel einfügen lassen. Der Ausbau von weiteren Ganztagsschulen ist abhängig von den Plänen des neuen Senats nach der Wahl im September. (zwd Hamburg)

Wappen Hessen Hessen

In Hessen gibt es 136 ganztägig arbeitende Schulen im Bereich der Sekundarstufe I, 2001/2002 werden es 140 sein. Nach Angaben des Hessischen Kultusministeriums verteilt sich das Ganztagsschulangebot auf folgenden Schularten: 32 Ganz- (10 Haupt-/Realschulen und ein Gymnasium) werden im kommenden Schuljahr zugelassen. Durch den Erlass "Die Arbeit der Ganztagsschule" vom 12. Mai 1999 hat das Bildungsministerium Regelungen zu den Aufgaben und Zielen, zur Organisation, zu den Betreuungsangeboten der Ganztagsschulen sowie zum Personaleinsatz getroffen.

Das Ministerium teilt mit, dass parallel dazu eine Stundenzuweisung für die besonderen Aufgaben der Ganztagsschule erfolgt ist. Geplant sei außerdem der Schulversuch "Aufbau einer reformpädagogischen Gesamtschule als Ganztagsschule". Je nach Haushaltslage werde die Zahl der Ganztagsschulen in den nächsten Jahren weiter steigen. Konkrete Zahlenangaben lägen jedoch noch nicht vor. (zwd Hessen)

Wappen Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern

Im Schuljahr 2000/01 gibt es in Mecklenburg-Vorpommern 41 Ganztagsschulen: 15 Haupt-/Realschulen, 14 Gesamtschulen, sechs Gymnasien und sechs Förderschulen. Elf weitere Ganztagsschulen (zehn Haupt-/Realschulen und ein Gymnasium) werden im kommenden Schuljahr zugelassen. Durch den Erlass "Die Arbeit der Ganztagsschule" vom 12. Mai 1999 hat das Bildungsministerium Regelungen zu den Aufgaben und Zielen, zur Organisation, zu den Betreuungsangeboten der Ganztagsschulen sowie zum Personaleinsatz getroffen.

Das Ministerium teilt mit, dass parallel dazu eine Stundenzuweisung für die besonderen Aufgaben der Ganztagsschule erfolgt ist. Geplant sei außerdem der Schulversuch "Aufbau einer reformpädagogischen Gesamtschule als Ganztagsschule". Je nach Haushaltslage werde die Zahl der Ganztagsschulen in den nächsten Jahren weiter steigen. Konkrete Zahlenangaben lägen jedoch noch nicht vor. (zwd Mecklenburg-Vorpommern)

Wappen Niedersachsen Niedersachsen

Im Rahmen der "Bildungsoffensive Niedersachsen", einem mit insgesamt 100 Millionen Mark unterstützten Landesprogramm für Bildung und Qualifizierung, plant das niedersächsische Kultusministerium, die derzeit 130 bestehenden Ganztagsschulen in den kommenden fünf Jahren um weitere 140 Standorte zu erweitern.

Vorgesehen ist, dass ein Standort zwei bis drei Schulen umfasst, die über ein gemeinsames Budget an Lehrstunden und Finanzmitteln verfügen. Ganztagsschulangebote sollen vorrangig an der Kooperativen Haupt- und Realschule und an Gesamtschulen realisiert werden. Die "Bildungsoffensive Niedersachsen" stellt auf ein Grundmodell ab, das an vier Tagen pro Schulwoche je zwei Stunden Nachmittagsunterricht und -betreuung in gleichen Anteilen vorsieht. Angebote außerschulischer Träger sollen dabei einbezogen werden. (zwd Niedersachsen)

Wappen Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen gibt es zurzeit 635 Ganztagsschulen. Unter diesen Schulen sind 208 Gesamtschulen, 189 Sonderschulen, 150 Hauptschulen, 29 Grundschulen, 26 Gymnasien, 22 Realschulen und elf Freie Waldorfschulen. Laut Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung besuchen in der Sekundarstufe I mehr als 20 Prozent der nordrhein-westfälischen Schülerinnen und Schüler eine Ganztagsschule.

Bis 2005 will die Landesregierung rund 130.000 Plätze für die ganztägige Betreuung von Kindern und Jugendlichen schaffen. Ziel sei es, an allen Schulen bis zu zwei Betreuungsgruppen vor allem für Kinder der Klassen fünf bis acht einzurichten. Die Finanzmittel von derzeit 20 Millionen DM sollen auf rund 48 Millionen DM jährlich erhöht werden. (zwd Nordrhein-Westfalen)

Wappen Rheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz gibt es zurzeit 122 Ganztagsschulen, 67 davon sind Sonderschulen. Rund 300 Schulen aller Schularten sollen in dieser Legislaturperiode mit einem Ganztagsangebot ausgestattet werden, kündigte Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) in seiner Regierungserklärung am 21. Mai 2001 an. Dafür würden rund 1.000 Lehrerinnen und Lehrer sowie pädagogische Fachkräfte eingestellt.

Zur Finanzierung, heißt es in der Erklärung, seien 30 Millionen Mark im Jahr 2002, 70 Millionen Mark im Jahr 2003, 100 Millionen Mark im Jahr 2004, und jeweils 120 Millionen Mark ab dem Jahr 2005 vorgesehen. Laut einer Pressemitteilung vom 12. Juni 2001 wurde im Bildungsministerium eine Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung von Vorschlägen für die pädagogische Gestaltung des Ganztagsschulangebots eingerichtet. Ein einheitliches Modell der Ganztagsschule ist dabei nicht vorgesehen. Bei der inhaltlichen Gestaltung des Ganztagsangebots solle den einzelnen Schulen maximaler Entscheidungsspielraum zugestanden werden.(zwd Rheinland-Pfalz)

Wappen Saarland Saarland

Das Saarland hat sieben Ganztagsschulen, darunter vier Grundschulen, eine erweiterte Realschule und eine Gesamtschule. Zum kommenden Schuljahr soll außerdem die erweiterte Realschule Dillingen zur Ganztagsschule umstrukturiert werden. Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) bevorzugt die offene Form der Ganztagsschule. Das Saarland werde das Betreuungsangebot in Partnerschaft mit freien Trägern erweitern, ließ der Minister in einer Pressemitteilung vom 12. Mai 2001 wissen.

Ganztagsschulen, in denen LehrerInnen den ganzen Tag über unterrichten, hält Schreier für konzeptionell überholt und als flächendeckendes Allgemeinmodell für finanziell kaum realisierbar. (zwd Saarland)

Wappen Sachsen Sachsen

Kinder bis einschließlich der vierten Klasse haben in Sachsen einen Anspruch auf Hortbetreuung. Wie das sächsische Kultusministerium auf zwd-Anfrage mitteilte, gibt es flächendeckend Schulhorte, die von öffentlichen oder privaten Trägern betrieben werden. Der Unterricht wird vollständig am Vormittag durchgeführt. Die Einrichtung von Ganztagsschulen sei nicht geplant, da es dazu in Sachsen keinen Handlungsbedarf gebe. (zwd Sachsen)

Wappen Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es 48 Ganztagsschulen, die sich folgendermaßen auf die Schularten verteilen: fünf Grundschulen, 33 Sekundarschulen (davon befinden sich fünf im Probejahr), fünf Gesamtschulen, fünf Gymnasien (zwei im Probejahr). Im kommenden Schuljahr werden etwa 17.200 Schülerinnen und Schüler Ganztagsschulen besuchen. Eine flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen ist laut Auskunft des Kultusministeriums von Sachsen-Anhalt nicht geplant.

Nur dort, wo Bedarf besteht und die finanziellen und personellen Voraussetzungen dafür vorhanden sind, soll das Ganztagsschulangebot ausgebaut werden. Die weitere Neueinrichtung von Grundschulen sieht die Landesregierung nicht vor, da ab dem Schuljahr 2001/ 2002 in Sachsen-Anhalt flächendeckend die Grundschule mit festen Öffnungszeiten eingeführt wird. (zwd Sachsen-Anhalt)

Wappen Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein

Von den 21 Ganztagsschulen, die es bisher in Schleswig-Holstein gibt, sind 16 Gesamtschulen, zwei Grundschulen, je eine Haupt- und Realschule und ein Gymnasium. Daneben habe sich in den letzten Jahren eine Vielzahl von Ganztagsangeboten zwischen Schulen aller Schularten und anderen Institutionen entwickelt, darauf verwies Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) in ihrer Rede anlässlich der 12. Tagung des schleswig-holsteinischen Landtags am 9. Mai 2001.

Laut Kultusministerium plant die Landesregierung eine Ausweitung der Ganztagsangeboten ab dem Schuljahr 2002/03 an jeweils einem Schulstandort in den Kreisen und in den kreisfreien Städten. Der Schwerpunkt liege dabei zunächst auf den Hauptschulen. Die Modalitäten für dieses Konzepts wird die schleswig-holsteinische Landesregierung im Rahmen der Vorbereitungen für den Haushalt 2002 festlegen. (zwd Schleswig-Holstein)

Wappen Thüringen Thüringen

Bis zur vierten Klasse einschließlich haben Schülerinnen und Schüler in Thüringen Anspruch auf Hortbetreuung. Das Thüringische Kultusministerium teilt mit, dass es zurzeit fünf Ganztagsschulen gibt. Planungen für weitere Ganztagsschulen beständen gegenwärtig nicht. Hinsichtlich der weiterführenden Schulen setze die Landesregierung auf die Betreuung am Nachmittag durch außerschulische Einrichtungen. (zwd Thüringen)

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